Abriegelung der Grenze zu Berlin-West

1. mot. Brigade am Brandenburger Tor
Nach den bekannten Dokumenten erfolgte die Vorbereitung zur Schließung der Grenze zu Westberlin einige Zeit vor dem bekannten Ausspruch von Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht ...“. Nach Erzählungen von Oberst der VP Hans Wahner etwa im Jahr 1984, wurde er im Mai 1961 nach Berlin-Bohnsdorf beordert, um die entsprechenden Einsatzdokumente und Flugblätter als Kommandeur der 1. Mot. Brigade des Kommandos Bereitschaftspolizei zu erstellen. Er war später Kommandeur der 17. VPB in Basdorf, anschließend Leiter der Abteilung Bereitschaften im PdVP und erster Leiter der „Dienststelle der DVP Blumberg“ (1978-1983).

Im Nationalen Verteidigungsrat der DDR beschloss man [1]:

„DVW 1/39462 5. Sitzung des NVR am 03. Mai 1961
Tagesordnung:
5. Grundsätze über die Zuständigkeit der höchsten Staatsorgane für den militärischen Schutz u.Sicherheit
8. Bestätigung der Vertreter d.NVA in den Bezirkseinsatzleitungen (BEL)
...
10. Durchführung des Beschlusses über die Brigade Berlin
11. Fragen der Dislozierung der Bereitschaftspolizei
12. Durchführung des Beschlusses des Politbüros über weitere die Erhöhung der Einsatzbereitschaft der Kampfgruppen“

Protokoll der 5. Sitzung des NVR
Aufgaben der 1. mot. Brigade (B)
Liste der eingeladenen Offiziere

„Im Sommer 1961 häuften sich die Anzeichen für eine direkte Kriegsvorbereitung gegen die DDR. ...“ [2]
„Den Maßnahmen vom 13. August 1961 gingen stufenweise Veränderungen in der Dienstorganisation zur Sicherung der Sektorengrenze voraus. Im Frühjahr 1961 wurden die Bereitschaften des PdVP Berlin aufgelöst und ein Sicherungskommando geschaffen, das jetzt gemeinsam mit Angehörigen des Amtes für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs (AZKW) die Übergänge an der Grenze sicherte. Gleichzeitig erfolgte in Berlin eine Verstärkung der Kräfte der Schutzpolizei sowie die Bildung zusätzlicher Schnellkommandos.
Die in der Garnision Basdorf stationierte Bereitschaft erhielt eine neue Struktur und wurde durch Zuversetzungen von Angehörigen anderer Einheiten der Bereitschaftspolizei personell verstärkt. Die auf diese Weise entstandene 1. Mot.-Brigade der Bereitschaftspolizei erfüllte wichtige Aufgaben bei der Sicherung der Staatsgrenze zwischen der Hauptstadt der DDR und Westberlin, wozu ihr Einheiten der Potsdamer, Magdeburger, Dresdener und Karl-Marx-Städter Bereitschaften sowie Pionierkräfte unterstellt wurden. Der komplizierte Grenzverlauf – von der ca. 45 Kilometer langen Grenze führten etwa 25 Kilometer durch unbebautes Gelände oder Kleingartenanlagen – stellte die jungen, im Grenzdienst unerfahrenen Angehörigen der Bereitschaftspolizei vor große Probleme. ...“ [3]

Am 12. August 1961, es war ein Sonnabend, stand ..., denn um 23.00 Uhr wurde Alarm ausgelöst. ...“ [4]

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 nahmen Angehörige der Kampfgruppen der Arbeiterklasse, der Deutschen Grenzpolizei, der Bereitschaftspolizei sowie weitere Kräfte der Volkspolizei die 163 Kilometer lange Grenze zu Westberlin auf ihre vollen Länge zuverlässig unter Kontrolle. Einheiten der NVA und der Sowjetarmee unterstützten die zur Grenzsicherung eingesetzten Gruppierungen. Innerhalb weniger Stunden wurden alle Übergänge mit Ausnahme weniger Kontrollstellen geschlossen und erste provisorische Befestigungen errichtet. ...“ [5]
Anmerkung: die Verbände der NVA und der Sowjetarmee bezogen Konzentrierungsräume. Deren Angehörige waren nicht an der Grenze eingesetzt!

„Am 13. August 1961 wurde der gesamte Personen-, Fahrzeug- und Schiffsverkehr nach Westberlin unter Kontrolle gebracht. Angehörige ...
Im Ergebnis des konsequenten Handelns der Sicherungskräfte stabilisierte sich die Lage an der Grenze, so daß am 23. August 1961 die Hauptkräfte der eingesetzten Kampfgruppeneinheiten in ihre Betriebe zurückkehren konnten. Unmittelbar danach, in der Nacht zum 24. August 1961, bezogen die in Westberlin stationierten Streitkräfte der Westmächte Räume in unmittelbarer Nähe der Staatsgrenze, führten provokatorische Handlungen durch und versuchten, die Sicherheitskräfte der DDR einzuschüchtern oder zu unüberlegten Handlungen zu veranlassen. ...“ [6]

„... Das war keineswegs einfach, denn der 1. Mot.-Brigade waren, außer den bereits erwähnten Einheiten der Bereitschaftspolizei, Angehörige der Deutschen Grenzpolizei, des Sicherungskommandos des PdVP Berlin, der Transportpolizei, des Luftschutzes und einer Lehreinrichtung der DVP unterstellt worden. Damit erhöhte sich die Stärke dieses Verbandes auf ein mehrfaches der ursprünglichen, was auch führungs- und versorgungsmäßig erhebliche Probleme aufwarf. Es war eine hervorragende Leistung, all diese nicht nur verschiedenen Einheiten, sondern auch teilweise unterschiedlichen Dienstverhältnissen zugehörigen Kräfte innerhalb kürzester Zeit zu einem geschlossenen Organismus zusammenzuschweißen, der die Grenzsicherung als ständige Aufgabe bewältigen konnte.“ [7]

„Ausgangspunkt dafür waren für alle Angehörigen verbindliche Festlegungen zu wesentlichen Fragen. Ausgehend von der Hauptaufgabe der Grenzsicherung kamen die für die Deutsche Grenzpolizei zutreffenden Prinzipien der politischen- und Parteiarbeit, der Führung, Ausbildung und Sicherstellung zur Anwendung. Die Angehörigen des Verbandes erhielten die Uniform der Deutschen Grenzpolizei und die dort gebräuchlichen militärischen Dienstgrade.
Bei laufender Grenzsicherung mußten umfangreiche Ausbildungsmaßnahmen durchgeführt werden, denn die neue Aufgabe lag ja außerhalb der Einsatzgrundsätze der Bereitschaftspolizei.“ [8]

„Am 23. Mai 1962 wurde Unteroffizier Peter Göring bei der Ausübung seines Dienstes an der Staatsgrenze hinterrücks ermordet, Unteroffizier Karl Laumer, der ihm zu Hilfe eilen wollte, schwer verletzt. Genosse Göring, seit 1961 Angehöriger der Bereitschaftspolizei, ... wurde in einer Abteilung der 8. Bereitschaft (Dresden) ausgebildet und kam mit seiner Einheit nach Berlin zur 1. Grenzbrigade (B). ...“ [9]

Anfang September 1961 wurden im Interesse der einheitlichen Führung aller an der Staatsgrenze der DDR zu Westberlin eingesetzten Kräfte umfangreiche Maßnahmen zur Reorganisation der Grenzsicherung vollzogen. Aus der 1. Mot.-Brigade der Bereitschaftspolizei und den zugeteilten Verstärkungsmitteln sowie den Einheiten der Deutschen Grenzpolizei, die im Bezirk Potsdam die Staatsgrenze der DDR zu Westberlin sicherten, entstanden zwei Grenzbrigaden. Die Führung dieser beiden als 1. und 2. Grenzbrigade (B) bezeichneten Verbände übernahm das Kommando der Bereitschaftspolizei. ...“ [10]

Am 23. August 1962 setzte der Minister für Nationale Verteidigung der DDR, gemäß einem Beschluß des Ministerrates, für die Hauptstadt der DDR einen Stadtkommandanten ein, dem die bisher durch das Kommando Bereitschaftspolizei geführten Grenzbrigaden unterstellt wurden. Die Übergabe der Einheiten erfolgte im Rahmen eines feierlichen Appells durch den Stellvertreter des Ministers des Innern Willi Seifert. ...“ [11]
Anmerkung: einige Angehörige dieser Grenzbrigaden (B) wurden zuvor herausgelöst und in Bereitschaften eingegliedert.


[ 1]Siehe: http://www.bundesarchiv.de/fb_daofind/Zdaofind_DVW1_NVR/mets/NVR_39462/index.htm
[ 2] Historischer Abriß zum Aufbau und zur Entwicklung der Volkspolizei-Bereitschaften 1945-1985; Heinz Opitz, Günter Huthmann, Franz Fiebig, u.a.; Berlin 1988, MdI der DDR, S. 108
[ 3] Ebenda: S. 109
[ 4] Ebenda: S. 110
[ 5] Ebenda: S. 108
[ 6] Ebenda: S. 111
[ 7] Ebenda: S. 112
[ 8] Ebenda: S. 114
[ 9] Ebenda: S. 123
[10] Ebenda: S. 114
[11] Ebenda: S. 126