Einsätze der VP-Bereitschaften

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf einen Vortrag vor Kommandeuren im Jahr 1986. Die VP-Bereitschaften der Kasernierten Einheiten des MdI wurden stärker auf den Einsatz zur Unterstützung der Volkspolizei in den Regionen ausgerichtet.

Grundsätze

„Entsprechend der Dienstlaufbahnordnung - Kasernierte Einheiten des MdI – sind Kasernierte Einheiten des MdI
... Einheiten bzw. Einrichtungen des MdI, in denen Dienst geleistet wird, der der Ableistung des Wehrdienstes entspricht ...“ [1]
Anmerkung: Auch wenn gern der Begriff Bereitschaftspolizei in Gebrauch ist, war die Übernahme von Angehörigen nach Ableistung des Wehrdienstes in die Dienstzweige der VP mit einer Ausbildung zum Polizisten nicht üblich. Nur in die Basdorfer Bereitschaften (PdVP Berlin) wurden ab Mai 1975 Wehrpflichtige mit einer Vorverpflichtung als Volkspolizist einberufen. Nur sie erhielten in den 18 Monaten eine Dienstanfängerausbildung. Unter den Wehrpflichtigen (Wachtmeister und Unterführer) gab es auch vereinzelt Vorbestrafte (bis 6 Monate Haft).

„Die Volkspolizei-Bereitschaften und Kompanien der Transportpolizei ... sind
politisch zuverlässige,
ständig einsatzbereite,
vollmotorisierte,
nach militärischen Prinzipien organisierte und geführte,
kaserniert untergebrachte
Einheiten der Volkspolizei.“

Der Einsatz der Einheiten erfolgt
auf der Grundlage des Gesetzes über die Aufgaben und Befugnisse der Deutschen Volkspolizei,
der Beschlüsse des Nationalen Verteidigungsrates der DDR sowie
der Befehle seines Vorsitzenden und
der Befehle und Weisungen des Ministers des Innern und Chefs der Deutschen Volkspolizei.
Die Einheiten haben durch die Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit der DDR unter allen Bedingungen der Lage beizutragen. ...“ [2]

Hauptaufgaben

Die Einheiten haben entsprechend ihrer Bestimmung eine hohe Kampfkraft und Einsatzbereitschaft zu gewährleisten sowie unter allen Bedingungen der Lage ständig bereit und fähig zu sein, folgende Aufgaben zu lösen:
a) Durchführung von Ordnungs- und Sicherungseinsätzen, die eine Anwendung spezifischer Mittel und Methoden von Einheiten erfordern,
b) Durchführung von Kampfeinsätzen zur Verteidigung des Territoriums der DDR.
Der Einsatz der Einheiten kann im Rahmen und zur Unterstützung der Zivilverteidigung sowie bei Katastrophen erfolgen, dabei vor allem zur Durchführung von Sicherungsaufgaben sowie in Ausnahmefällen zu Bergungs- und Rettungsarbeiten.“ [3]

„In diesem Zusammenhang muß darauf verwiesen werden, daß es sich bei diesen Einheiten um Polizeireserven handelt, deren Einsatz in der Regel nur dann erfolgt, wenn
- die Kräfte und Mittel der Dienstzweige der DVP nicht ausreichen, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten,
- die operative Lage die Erfüllung von Aufgaben erfordert, die durch den operativen polizeilichen Dienst nicht zu lösen sind und die taktische Handlung geschlossener Einheiten erfordert.“ [4]
Anmerkung: Tatsächlich war eine Hauptaufgabe der Einsatz in der Volkswirtschaft sowie Abstellung von Kräften für Baumaßnahmen im Interesse der jeweiligen Bezirksbehörde der DVP und in der Garnision. Nach Unterlagen des Bundesarchivs Berlin-Lichterfelde waren in den 80er Jahren ständig mindestens 2.100 Angehörige in der Energie- und Forstwirtschaft und in der chemischen Industrie eingesetzt!

In Abhängigkeit von der Lage kann die Volkspolizei-Bereitschaft im Gesamtbestand bzw. können Teilkräfte

  • einem anderen Chef der BDVP,
  • einem Leiter des VPKA/VPI oder
  • einem Kommandeur der NVA bzw. der Grenztruppen der DDR unterstellt werden.
    Wir gehen davon aus, daß eine zeitweilige Unterstellung an einen Kommandeur der NVA oder der Grenztruppen der DDR nur bei der Mobilmachung des Landes bzw. im Verteidigungszustand erfolgen wird.
  • Der Einsatz der Kompanie der Transportpolizei erfolgt in der Regel in Unterstellung des Leiters eines Transportpolizei-Amtes, kann jedoch unter den Bedingungen des Verteidigungszustandes auch in Unterstellung des Leiters einer Eisenbahntransportkommandantur der NVA erfolgen.“ [5]

Führung

„Der Einsatz ... zur Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben kann auf Befehl - des Ministers des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei oder - des Chefs der BDVP erfolgen.
Im Interesse einer straffen Führung bedarf der Einsatz von Kräften ab zwei Kompanien aufwärts der Genehmigung des Ministers des Innern und Chef der DVP.
Zum Einsatz der Kompanien der Transportpolizei sind die zuständigen Leiter der Transportpolizei-Ämter nach Bestätigung durch den Chef der BDVP berechtigt.“ [6]

„Die Volkspolizei-Bereitschaften werden im Verteidigungszustand vom Chef der BDVP auf der Grundlage des Entschlusses des Vorsitzenden der Bezirkseinsatzleitung eingesetzt.
Der Einsatz der Einheiten erfolgt in Abhängigkeit der Lage
- selbständig (z.B. Sicherung und Verteidigung von Objekten),
- gemeinsam mit anderen Einheiten (z.B. Kampfgruppen der Arbeiterklasse oder Volkspolizei-Bereitschaften),
- in einem zeitweiligen Unterstellungsverhältnis, geschlossen oder dezentralisiert bis zum Zug (z.B. einzelne Kompanien an VPKA).“ [7]

Ordnungs- und Sicherungseinsatz

„Der Ordnungs- und Sicherungseinsatz ist eine Einsatzart der DVP zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch den Einsatz von Kräften aller Dienstzweige der DVP und anderen Organe des MdI, einschließlich Volkspolizei-Bereitschaften und Kompanien der Transportpolizei.

Der Einsatz der Einheiten erfolgt dabei vorrangig zur
a) Durchführung von Sicherungsaufgaben bei besonderen Anlässen und Veranstaltungen ( ...),
b) Sicherung von Staats- und Sonderzugfahrten ( ...),
c) Verhinderung und Beseitigung von Ansammlungen mit Störabsichten ( ...),
d) Ergreifung flüchtiger Rechtsbrecher sowie die Suche und Sicherstellung wichtiger Sachen ( ...),
e) Abwehr und Bekämpfung von Gewaltakten sowie Vernichtung bzw. Festnahme bewaffneter Rechtsbrecher (...),
f) Durchführung von Sicherungsmaßnahmen sowie Rettungs- und Bergungsarbeiten bei Katastrophen und folgenschweren Havarien ( ...).“ [8]
Anmerkung: Der Autor hat während seines 20-jährigen Wehrdienstes nie als Zugführer, Kompaniechef oder als amtierender Kommandeur einen Einsatz unter Mitführung von Schlagstöcken (und Schild) geführt. Nur während der X. Weltfestspiele wurden zum Einsatzort im Berolinahaus am Alexanderplatz Schlagstöcke und Tränengaswurfkörper in verplompten Kisten mitgeführt.

Kampfeinsatz

„Der Kampfeinsatz ist die entscheidende Einsatzart der Einheiten zur Bekämpfung des Gegners während der Mobilmachung des Landes, im Verteidigungszustand oder im Krieg.
Er wird mit dem Ziel durchgeführt, jede bewaffnete Aktion des Gegners abzuwehren, ihn zu vernichten bzw. gefangenzunehmen. ...“ [9]

Kampfeinsätze werden vor allem durchgeführt
a) zur Bekämpfung und Vernichtung von subversiven und anderen bewaffneten Kräften des Gegners,
b) bei der Teilnahme an der Zerschlagung gegnerischer Einheiten in wichtigen Richtungen und Räumen auf dem Territorium der DDR,
c) zur Freikämpfung wichtiger Objekte, d) zur zeitweiligen Sicherung und Verteidigung wichtiger Abschnitte, Räume und Objekte sowie
e) zur Sicherung wichtiger Versorgungstransporte auf Schienenwegen.“ [10]

Einsatzbereitschaft

„Durch alle Einheiten wird durch entsprechende Maßnahmen die „Ständige Einsatzbereitschaft“ gewährleistet.
Die Einheiten sind in der Lage, entsprechend den Forderungen des Ministers des Innern und Chefs der DVP
a) die Arbeitsbereitschaft der Führungskräfte generell in 30 Minuten,
b) die Marschbereitschaft differenziert, jedoch spätestens bis 60 Minuten nach Auslösung einer entsprechenden Stufe der Einsatzbereitschaft herzustellen.“ [11]
Anmerkung: In den 70er Jahren hatte der Bereitschaftszug nach 10 Minuten im Felddienstanzug und Bewaffnung sowie verlasteter Munition bereit zu sein einen Marsch zum Ereignisort durchzuführen. Die 3. Kompanie (19. VPB) musste 30 Minuten nach Alarmauslösung die Kaserne verlassen haben und den Marsch zum Ausweichunterbringsraum beginnen. Die Munition war in den Schützenpanzerwagen verlastet und die Dosimeter an den festgelegten Personenkreis ausgegeben.


[ 1] Bundesarchiv Berlin DO-1/20 54133 Vortrag (1986): Rolle, Platz und Aufgaben der Volkspolizei-Bereitschaften und Kompanien der Transportpolizei, VVS I 082 719, 5., Bl. 5
[ 2] Ebenda: Bl. 8
[ 3] Ebenda: Bl. 8
[ 4] Ebenda: Bl. 9
[ 5] Ebenda: Bl. 11
[ 6] Ebenda: Bl. 11
[ 7] Ebenda: Bl. 12
[ 8] Ebenda: Bl. 13
[ 9] Ebenda: Bl. 14
[10] Ebenda: Bl. 15
[11] Ebenda: Bl. 17