Unterführerschule des MdI (B) „Kurt Schlosser“

Die Unterführerschule des Ministeriums des Innern wurde im Zusammenhang mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht auf Befehl des Ministers des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei im Dezember 1962 gegründet.
Ihre Aufgabe bestand darin, Unterführerschüler für den Einsatz in den VP-Bereitschaften und den Kompanien der Transportpolizei in einem Halbjahres-Lehrgang zu Unterführern auszubilden, Unterführer in der Zweitausbildung zu qualifizieren und Sonderlehrgänge durchzuführen.

Die Ausbildung erfolgte in den Profilen:
• Mot.-Schützen-Gruppenführer,
• Gruppenführer/ Kommandant,
• Kradmelder/ Regulierer,
• Geschützführer,
• Werferführer,
• Funktruppführer,
• Fernsprechbautruppführer,
• Fernschreiber,
• Pionierbautruppführer,
• Spezialaufklärer,
• Chemische Aufklärer und
• ab 1980 auch Kräfte für die Anti-Terror-Einheit.

Die Ausbilder kamen anfangs z. T. aus der ehemaligen Lehrbereitschaft Potsdam und aus anderen Dienststellen der VP. Die Ausbildung erfolgte in Kompanien, Zügen und Gruppen durch speziell dazu qualifizierte Offiziere und Unterführer. Bestimmte Teile der Einsatzausbildung und der politischen Ausbildung wurden durch besondere Lehroffiziere durchgeführt, die in zwei Fachgebieten zusammengefasst waren. Wachtmeister wurden in Dienststellungen mit Spezialverwendungen zur Unterstützung der Ausbildung eingesetzt und waren z. B. als Kraftfahrer, Köche, Sanitäter und Kompanieschreiber tätig.

In der 1. und 2. Kp. wurden schwerpunktmäßig Mot.-Schützen-Gruppenführer ausgebildet,
in der 3. Kp. Geschütz- und Werferführer und
in der 4. Kp. Nachrichtentruppführer.
In der 5. Kp. waren die Sicherstellungskräfte konzentriert.

Die Planstellen für das ausbildende Stammpersonal waren um einen Dienstgrad höher als in den VP-Bereitschaften (Kommandeur Oberst der VP, Stellvertreter des Kommandeurs Oberstleutnant der VP, Kompaniechefs Major der VP, Zugführer Hauptmann der VP, Lehroffiziere Major der VP, Stabsoffiziere Major der VP).

Bestandteile der Ausbildung waren:
• marxistisch-leninistische Unterricht,
• allgemeintaktische Ausbildung,
• Waffen- und Schießausbildung,
• Exerzierausbildung,
• Spezialausbildung entsprechend dem Profil,
• Ausbildung in den Dienstvorschriften und
• militärische Körperertüchtigung.
Besondere Schwerpunkte bildeten dabei die Erlangung der pädagogisch/methodischen Befähigung und die Umsetzung des Prinzips der Einheit von Bildung und Erziehung. Beginn und Ende der Unterführerlehrgänge waren mit den Einberufungsterminen der Wehrpflichtigen abgestimmt.

Die Unterführerschüler wurden nach der einmonatigen Grundausbildung von ihren Einheiten zur Unterführerschule abkommandiert. Ein Unterführerlehrgang dauerte 4 ½ Monate. Danach erhielten die Absolventen ein Abschlusszeugnis und wurden in einem feierlichen Zeremoniell zum „Oberwachtmeister der VP“ ernannt (Unterfeldwebel). Danach erfolgte der Rückmarsch in ihre VP-Bereitschaft bzw. Kompanie der Transportpolizei.
An der Unterführerschule wurde die folgende 6-wöchige Lehrgangspause hauptsächlich für Weiterbildungsmaßnahmen der Ausbilder genutzt.

Der erste Lehrgang wurde vom 07.12.1962 bis 17.04.1963 im Objekt „Sago“ (Tarnbezeichnung: in Potsdam auf einer gedachten Linie zwischen den Ortschaften Saarmund und Golman der Michendorfer Chaussee.) durchgeführt,
die folgenden 16 Lehrgänge im Objekt Liegau-Augustusbad und
die Lehrgänge 18 bis 45 in der neu errichteten Unterführerschule durch nordostwärtige Erweiterung der Kaserne im Objekt der Offiziershochschule des MdI - Bereitschaften - „Arthur Becker“ in Dresden - Wilder Mann (Autobahnabfahrt). Hierzu wurde ein Gebäudekomplex (Häuser 18 und 19) errichtet. In unmittelbarer Objektnähe entstanden zudem moderne Wohnungen für das Stammpersonal beider Schulen.
Der letzte Unterführerlehrgang begann am 07.12.1984 und endete am 17.04.1985.

In den insgesamt 45 Lehrgängen wurden etwa 12.000 Unterführerschüler zu Unterführern ausgebildet. Nicht einberechnet ist die Anzahl der Unterführer, die an Weiterbildungs- und Sonderlehrgängen teilgenommen haben.

In der „Liegauer Zeit“ wurde der Unterricht in extra dafür hergerichtete Unterrichtsräume und Fachkabinette in verschiedenen Häusern des Objektes, in einer zusätzlich errichteten Unterrichtsraumbaracke und bei Bedarf auch in den Klubräumen der Kompanien und im Kinosaal durchgeführt. Für die Militärische Körperertüchtigung wurden auf einem zusätzlich eingezäunten Bereich in Verlängerung des Garagenkomplexes ein Sportgarten und eine Sturmbahn errichtet. Die Judo- bzw. Nahkampfausbildung erfolgte in einer kleinen Sporthalle im „Grund“ (Judohalle). Für die Exerzierausbildung wurden freie Plätze genutzt (Hartplatz hinter Haus 1, Platz vor den Garagen). Die Schwimmausbildung erfolgte im Wachauer Freibad. Der eingerichtete Pistolenschießstand in einem kleinen Seitental unterhalb des Hauses 5 wurde nur anfangs genutzt. Ein Teil der praktischen Ausbildung sowie Einsatzübungen wurde auch außerhalb des Objektes, z. B. in der „Landwehr“, einem nördlich angrenzenden Waldgebiet, in Waldgebieten der Königsbrücker Heide in der Nähe der Ortschaften Dobra, Tauscha, Sacka, Stölpchen, Lüttichau und Ponickau, sowie später auch auf dem Truppenübungsplatz der OHS bei Kroppen (Autobahnabfahrt Ortrand) durchgeführt. Die Fernsprecher errichteten ihre LFK-Leitungen oft in einem Waldgebiet am Lomnitzer Sportplatz. Für den Häuserkampf wurde zeitweilig auch eine Ruine bei Dresden- Lockwitz, die „Krähenhütte“ genutzt. Die Schießausbildung erfolgte auf dem Schießstand in Radeberg und auf dem Schießplatz in Nochten. Marschübungen wurden meist auf den Ortsverbindungsstraßen nördlich des Objektes zwischen Wachau, Lomnitz, Seifersdorf und Schönborn durchgeführt. Für den Unterricht und die Ausbildung standen umfangreiche Lehr- und Lernmittel zur Verfügung, die in einer Lehrmittelstelle verwaltet wurden.

Die gesamte Planung eines Lehrganges erfolgte monatsweise und stundengenau durch einen Stabsoffizier. Danach erarbeiteten die Ausbilder ihre Lehrunterlagen bzw. Handzettel mit Inhalt, Ziel, Methode und zeitlichem Ablauf der Ausbildung, was durch den jeweiligen Vorgesetzten bestätigt werden musste.

Am 30.04.1985 wurde die Unterführerschule des MdI (B) „Kurt Schlosser“ aufgelöst.

Ab 01.11.1985 erfolgte eine Neustrukturierung der „Kasernierten Einheiten des MdI“. Die Personalstärke der VP-Bereitschaften wurde reduziert. Die Ausbildung der Unterführer für die VP-Bereitschaften wurde dezentralisiert und in verschiedene Dienststellen der DVP aufgeteilt. [1]
© Rebelow (10.03.2011)


[1] Ausbildung der Unterführer in den VP-Bereitschaften ab 1. November 1985

Bereitschaft Garnision Ausbildung
8. VPB „Dr. Kurt Fischer“ Dresden, BDVP Dresden Pionier-Gruppenführer (2.Kp.) u. Berufsunterführer/ Meister der Industrie
14. VPB „Hans Kahle“ Neustrelitz, BDVP Neubrandenburg Geschütz- bzw. Werferführer (4.Kp.)
15. VPB „John Schehr“ Eisenhüttenstadt, BDVP Frankf./O. SPW-Kommandanten (3.Kp.)
16. VPB „Georgi Dimitroff“ Cottbus, BDVP Cottbus Schützen-Gruppenführer (1.Kp.)
20. VPB „Käthe Niederkirchner“ Potsdam, Ministerreserve Schützen-Gruppenführer (1.Kp.)

nach:
BArch Berlin-Lichterfelde: DO 1/20 /54133 (3) Vortrag (1986) - Rolle, Platz und Aufgaben der Volkspolizei-Bereitschaften und Kompanien der Transportpolizei, Bl. 19